
American Gothic
Grant Wood, American Gothic, 1930. Friends of American Art Collection, Art Institute of Chicago. (Public Domain)
Grant Woods „American Gothic“ (1930) ist wohl das bekannteste – und am häufigsten parodierte – Werk der amerikanischen Kunstgeschichte. Es weckt sofort Assoziationen zum Geist des Mittleren Westens und ist nach wie vor eine faszinierende Studie über Charakter, Architektur und die Vielschichtigkeit der amerikanischen Identität.
Während viele annehmen, das Gemälde stelle ein Ehepaar dar, beabsichtigte Wood eigentlich, dass die Figuren einen Vater und seine Tochter verkörpern. Die Modelle waren Woods Schwester Nan und sein Zahnarzt, Dr. Byron McKeeby.
Der Hintergrund ist ein echtes Haus in Eldon, Iowa, das im Carpenter-Gothic-Stil erbaut wurde. Wood war beeindruckt von der „besonders malerischen“ Anmutung des Hauses, insbesondere von dem überdimensionalen, spitzen Fenster an einem bescheidenen Holzbau. Er stellte sich vor, welche Art von Menschen in einem solchen Haus leben würden: streng, widerstandsfähig und tief in ihrer Umgebung verwurzelt.
Wichtige künstlerische Details
Die Mimik: Die starren, unbeweglichen Blicke der Figuren wurden unterschiedlich interpretiert – von einer Hommage an die amerikanische Widerstandsfähigkeit bis hin zu einer beißenden Satire auf die Engstirnigkeit kleiner Städte.
Die Heugabel: Das dreizinkige Werkzeug findet seine Entsprechung in den Nähten der Latzhose des Mannes und den vertikalen Linien der Hausverkleidung, wodurch ein Gefühl struktureller Einheit entsteht.
Die Schürze: Die Schürze mit Kolonialmuster, die die Frau trägt, deutet auf eine Sehnsucht nach traditioneller Häuslichkeit und einem „Pionier“-Erbe hin.


